Erste Frage: Du gehst zu Arbeitsbeginn durch ein deutsches Groß-Unternehmen und grüßt höflich: „Guten Morgen.“ Was bekommst Du als Antwort: „Ich bin’s nicht gewesen.“ Natürlich völlig unrealistisch. So ist das nämlich nicht. Weil das normale deutsche Spitzenmanagement auf bewährte Führungstechniken setzt wie sich etwa in der Automobilindustrie und andernorts besichtigen lässt. Man weiß schließlich was geht und was nicht. Entscheidungen werden sorgfältig vorbereitet, abgestimmt mit beteiligten Ressorts und zuständigen Fachab-teilungen, in Meetings präsentiert, gewissenhaft dokumentiert…

Zweite Frage: Elon Musk, dieser exaltierte Raketen- und Autobauer mit seinen spinnerten Mars-Visionen, will ein Unternehmen kaufen für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Wie lang dauert die Entscheidung? Keine zehn Minuten. Ist natürlich Quatsch. Natürlich. Niemand kauft ein Unternehmen binnen zehn Minuten. Und gibt dann auch noch Millionen aus dafür. Doch. Musk macht’s. Das Manager Magazin zitiert einen Musk-Manager, der nach einem Zweiminutengespräch mit Musk das Go für eine Änderung bekam, für die er nach seiner Einschätzung in anderen Unternehmen eine dieser üblichen Entscheidungsvorlagen und zur Begründung hundert Folien gebraucht hätte.

Was, zum Geier, macht dieser vermaledeite Ami anders als wir, fragen sich nicht nur deutsche Autobauer. Er führt anders. Mikromanagement, oder wie ein Musk-Kenner sagt, Nanomanagement heißt das Zauberwort. Heißt nicht, dass der Chef alles selber macht. Aber wenn‘s irgendwo irgendwie hakt, dann fasst er nach. Sein first principle thinking basiert auf dem schlichten Grundsatz, dass jedes Problem zurückgeführt werden muss auf die zugrunde liegenden physikalischen Gesetze. Alles was nicht gegen die physikalischen Gesetze verstößt, muss möglich sein.

Mit dieser Grundeinstellung treibt er Neuerungen in seinen Unternehmen. Die logische Folge: Immer und immer wieder hinterfragt Musk alles. Wirklich alles. Scheinbar gesicherte und erprobte Abläufe, Erkenntnisse, angeblich Bewährtes halten seiner Denke, seinem Tempo, seiner Kreativität nicht stand.

Das schöne Wort vom Tausendsassa müsste muskiert werden zu Millionensassa. Der Mann lässt sich durch nichts aufhalten. Finanzengpässe, drohender Konkurs – vorübergehende Unbequemlichkeiten. Einst ging ihm der Los-Angeles-Stau derart auf den Zeiger, dass er die Tunnelbaufirma Boring Company gründete. Damit Tunnel so fix gebohrt werden wie ein Mensch geht.

Es ist diese unglaubliche Mischung aus Entschlusskraft, Durchsetzungswillen, Hartnäckigkeit und absolutes nicht hinnehmen scheinbar nicht beherrschbarer Prozesse oder nicht zu bewältigender Probleme. Wer da nicht mitzieht, ist seinen Job los. Davor steht in Deutschland die Arbeitsgerichtsbarkeit.  Gleichwohl könnte die Art und Weise wie Musk Hemmnisse angeht und aus dem Weg räumt, zumindest Denkanstöße tragen in deutsche Chefetagen. Wenn das nicht zu anstößig ist. Womöglich überdenkt der eine oder andere Coach, Trainer, Dozent seine Theorien und Dogmen.

Literatur zum Thema Management, Unternehmensführung u. ä. gibt’s reichlich.